
Hobby DJ werden: So kommst du zur ersten fairen Gage
Hobby DJ werden klingt erst mal nach Controller kaufen, Playlisten bauen und üben. Spannend wird es aber an dem Tag, an dem dich jemand fragt: Was nimmst du eigentlich?
Genau da machen die meisten Einsteiger ihren ersten teuren Fehler. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du vom Wohnzimmer zum ersten bezahlten Auftritt kommst und welche Gage du dann wirklich brauchst. Mit einem Rechenbeispiel aus dem Gagenrechner.
Inhalt dieses Beitrags
Hobby DJ werden: Was am Anfang wirklich zählt
Die meisten Ratgeber zum Thema DJ werden drehen sich um Technik. Welcher Controller, welche Software, welche Kopfhörer. Das ist wichtig, aber es ist nicht das, was über deinen Erfolg entscheidet.
Als Hobby-DJ legst du am Anfang für Freunde auf, auf Geburtstagen oder im Verein. Irgendwann kommt die erste Anfrage von jemandem, den du nicht kennst. Ab da bist du ein Dienstleister, und dein Kunde erwartet, dass der Abend läuft.
Ich lege seit 2004 auf und habe über 1.000 Events gespielt, davon mehr als 600 Hochzeiten. Seit 2017 coache ich DJs. Was ich dabei immer wieder sehe: Am Können scheitert kaum jemand. Am Preis schon.
Übergänge, Musikauswahl, die Tanzfläche lesen. Das lernst du mit Übung.
Anlage, Licht und Laptop. Kostet Geld und nutzt sich bei jedem Auftritt ab.
Deckt sie deine Kosten nicht, zahlst du für jeden Auftritt drauf.
Vom Wohnzimmer zum ersten bezahlten Auftritt
Der Weg vom Üben zur ersten Buchung ist bei fast allen gleich. Es hilft, ihn einmal klar vor Augen zu haben.
- Üben: zu Hause, bis Übergänge sitzen und du ein ganzes Set ohne Pause spielen kannst.
- Erste Auftritte im Umfeld: Geburtstage, Grillfeste, der Verein. Hier sammelst du Erfahrung vor Publikum.
- Die erste fremde Anfrage: Jemand hat dich gehört und will dich buchen. Jetzt brauchst du einen Preis.
- Regeln, was dazugehört: Gewerbe, Rechnung, Vertrag. Mehr dazu weiter unten.
Spätestens bei Schritt drei solltest du wissen, was ein Auftritt dich kostet. Wer dann aus dem Bauch heraus einen Preis nennt, nennt fast immer einen zu niedrigen.
Welche Gage du als Einsteiger brauchst
Viele Anfänger denken: Ich bin noch neu, also bin ich günstig. Das klingt fair, rechnet sich aber nicht. Was du verlangst, entscheidet darüber, was du verdienst. Deine Technik, dein Auto und deine Zeit kosten genauso viel wie bei einem Profi.
Jede Gage setzt sich aus denselben Posten zusammen. Fehlt einer davon, bezahlst du ihn aus eigener Tasche.
- Deine Zeit: Spielzeit plus Aufbau, Abbau und Vorgespräch.
- Deine Technik: Sie nutzt sich ab und muss irgendwann ersetzt werden.
- Deine Anfahrt: Kilometer hin und zurück plus die Zeit im Auto.
- Gewinn und Steuern: ein fairer Gewinn und eine Rücklage fürs Finanzamt.
Rechenbeispiel: Das kostet dich ein Auftritt
Nehmen wir einen Einsteiger mit eigener kleiner Anlage. Er rechnet mit 40 € pro Stunde, spielt 5 Stunden und braucht 2 Stunden für Aufbau, Abbau und Vorgespräch. Seine Technik würde neu 5.000 € kosten, er spielt 10 Auftritte im Jahr und fährt 30 km zur Feier.
Der Gagenrechner zählt die Spielzeit voll und die Zeit für Aufbau und Abbau mit dem halben Satz. Die Technik verteilt er auf zwei Jahre und auf alle Auftritte.
Dazu kommen 161,70 € Gewinn und 177,73 € Rücklage für Steuern. Zusammen sind das 878,43 €. Die ideale Gage liegt damit bei 899 €.
Und jetzt der Vergleich: Würde der Einsteiger 400 € nehmen, zeigt der Gagenrechner sofort Rot. Er legt pro Auftritt 478,43 € drauf, bei 10 Auftritten im Jahr fehlen ihm 4.784 €.
Wenige Auftritte, höhere Gage: Warum das stimmt
Das überrascht viele: Wer nur ab und zu auflegt, braucht pro Auftritt nicht weniger Gage, sondern eher mehr. Der Grund ist deine Technik.
Die Anlage kostet dasselbe, egal ob du sie zehnmal oder zwanzigmal im Jahr aufbaust. Bei wenigen Auftritten trägt jeder einzelne einen größeren Teil.
Mit 20 statt 10 Auftritten sinkt der Technik-Anteil im Beispiel von 250 € auf 125 €. Die ideale Gage fällt von 899 € auf 749 €.
Für dich als Einsteiger heißt das: Ein niedriger Preis ist kein Anfängerbonus. Er ist ein Zuschuss aus deiner eigenen Tasche. Wenn du bei der Gage nachgeben willst, dann lieber bei der Spielzeit oder beim Umfang, nicht beim Stundensatz.
Gewerbe, Rechnung, Vertrag: Was du regeln musst
Sobald du für Geld auflegst, bist du nicht mehr nur Hobby-DJ, sondern Unternehmer. Das klingt größer, als es ist. Drei Dinge solltest du vor dem ersten bezahlten Auftritt klären.
- Gewerbe anmelden und Finanzamt informieren: so geht das Kleingewerbe als DJ.
- Eine saubere Rechnung schreiben: DJ Rechnung.
- Absprachen schriftlich festhalten: DJ Vertrag.
- Einen festen Anteil jeder Gage für Steuern zur Seite legen.
Ich bin DJ und Coach, kein Steuerberater. Für deinen Einzelfall fragst du am besten einen Steuerberater. Die Rücklage für Steuern rechnet der Gagenrechner aber schon automatisch in deine Gage ein.
Drei Anfängerfehler, die dich Geld kosten
Du nennst eine Zahl, die sich gut anfühlt, statt einer, die deine Kosten deckt.
Die nächste Box oder der nächste Controller kommt dann aus deinem Privatgeld.
Aufbau, Abbau, Vorgespräch und Fahrt arbeitest du umsonst.
Alle drei Fehler haben dieselbe Ursache: Es fehlt eine Rechnung, bevor der Preis genannt wird. Das lässt sich in wenigen Minuten ändern.
Wie du deinen Stundensatz findest, zeige ich dir im Beitrag zum DJ Stundenlohn. Was am Ende pro Abend übrig bleibt, steht in Was verdient ein DJ?
Fazit: Erst rechnen, dann den Preis nennen
Wenn du Hobby DJ werden willst, ist Übung der erste Schritt. Der zweite ist eine Gage, die zu deinen Kosten passt. So kommst du zur ersten fairen Gage, ohne für deinen Spaß draufzuzahlen.
Rechne deine ideale Gage einmal mit deinen eigenen Werten durch. Dann weißt du bei der ersten fremden Anfrage sofort, was du sagst, und musst nicht raten.


